Aktuelles aus der Coaching Welt

Training 2022 - Keine Zeit mehr?

Habt ihr noch Zeit für Weiterbildung? Könnt ihr euch einen ganzen Tag lang auf ein einziges Thema fokussieren? Oder muss Lernen bei euch inzwischen auch parallel zur Arbeit laufen?

In diesem Video und Blogartikel teile ich meine Erfahrungen mit "Learning Nuggets" und "Impulsen to go".

 

Learning Nuggets und „Impulse to go" - Nehmen wir uns keine Zeit mehr für echtes Lernen? Meine Ansätze zu diesem Trend in der Weiterbildung 

„Können Sie das auch an einem halben Tag vermitteln?“ Diese Frage wird mir immer häufiger von Firmenkunden gestellt. Meist geht es um 1-tägige Kompakttrainings, in denen die relevanten Inhalte bereits alle „in a nutshell“ verpackt sind. Und zumindest noch ein oder zwei Praxisübungen und Feedback-Sessions möglich sind.

„Es wäre ideal, wenn Sie an dem halben Tag dann noch Bezug auf unser Unternehmensleitbild nehmen und hier den klaren Bezug zu den Trainingsthemen herstellen.“
„Es soll aber auch Raum für Vernetzung der Teilnehmer untereinander bleiben. Das ist uns sehr wichtig!“

Wenn ich meine Kunden davon überzeuge, dass das 1-tägige Kompakttraining durchaus Sinn macht, um sich auf das Thema zu fokussieren, neu Erlerntes zumindest ansatzweise zu verinnerlichen, dann kommt häufig die nächste Hürde. Während manche Teilnehmer vor dem  Seminar noch schnell einen Vorstandstermin wahrnehmen müssen, müssen andere vor der Mittagspause gehen, um am Nachmittag ein Kundenmeeting zu moderieren. Anders ist es einfach nicht machbar. Obwohl das Thema des Seminars sehr wichtig für die eigenen Tätigkeit ist. Und man schon sehr lange auf dieses Training gewartet hat.

Lernen gestern und heute 

Gleichzeitig ist „lebenslanges Lernen“ heute wichtiger denn je. Anforderungen ändern sich zügig. Neue Skills werden gebraucht. Und zwar live in der Anwendung. Und nicht in einer „Learning-Nugget“-Seminarunterlage, in die die Teilnehmer aus zeitlichen Gründen gar nicht reinschauen können.

1996 habe ich als junge Führungskraft ein Seminar mit dem Titel „Die Führungskraft als Coach“ besucht. 5 Tage!
Damals fand hier Persönlichkeitsentwicklung statt. Erlebnisorientierte Übungen mit Video-Feedback. Eindrücke, die ich bis heute nicht vergessen habe. Die mir Facetten meiner Persönlichkeit aufgezeigt haben. Gemeinsam mussten wir ein Lego-Haus nachbauen, das in einem Nachbarraum stand. Wir durften es nur wenige Minuten anschauen. Ich habe damals einfach schon mal mit dem Dach angefangen…und zum Schluss passte es nicht auf die Grundmauern meiner Kollegen. Seitdem habe ich nie wieder „planlos“ mit irgendwas los gelegt.
Auch damals hatte ich schon eine 50 – 60 Stunden Woche. Wir haben alle viel gearbeitet. Aber es war akzeptiert, ein paar Tage an einem Seminar teilzunehmen. Telefonische Erreichbarkeit in der Pause hat ausgereicht. Auch für unseren Vorstand.
Aber das ist Schnee von gestern.
Ich stelle mir hier die Frage: Wo steuern wir hin? Und was macht es uns so schwer, sich heutzutage wenigstens einen kompletten Tag für ein Training zu reservieren?

Es ist der Wunsch nach Effizienz. Ich arbeite im Prinzip fast normal weiter, mache nebenbei eine Weiterbildung (zumindest Teile davon). Und am Abend habe ich den Eindruck, dass ich allem gerecht geworden bin und die Zeit gut genutzt habe. Aber eigentlich bin ich nichts und niemanden gerecht geworden, habe mit geteilter Aufmerksamkeit vieles nur an der Oberfläche erledigt.

Unsere Argumentation als Trainingsinstitut

Mit welchen Argumenten versuche ich meine Kunden zu überzeugen, dass Trainingstage als solche wieder genutzt werden dürfen?

  • Statt Effizienz zu erzielen, steigern Mitarbeiter, die zwischen einer Weiterbildungsveranstaltung und beruflichen Meetings hin und herswitchen, lediglich ihren Stress-Level. Während es in der Weiterbildung um Lernen und Reflexion in der Tiefe geht, sind wir in beruflichen Meetings meist im akuten Problemlöse-Modus. Unser Gehirn muss also immer wieder komplett umschalten. Das steigert unseren Cortisol-Spiegel. Wir produzieren also mehr Stresshormone.
  • Je mehr es ermöglicht wird, immer nur halb bei einer Tätigkeit dabei zu sein, desto mehr gewöhnt sich unser Gehirn an diese „Halbherzigkeit“. Es arbeitet mit halber Kraft, weil es parallel immer mit anderen Inhalten beschäftigt ist. Informationen werden schlechter gespeichert. Lerneffekte werden reduziert.

Unsere Lösung liegt im didaktischen Konzept

Gleichzeitig kommen wir unseren Kunden auf der didaktischen Ebene entgegen. Zu vielen Themen haben wir in den letzten 2 Jahren Lernvideos produziert. Die Teilnehmer können sich zur Vorbereitung auf ein Training bereits Videos anschauen. Und zwar dann, wenn es zeitlich für sie gut passt und sie Ruhe dazu haben. Das fällt natürlich häufig in die private Freizeit. Viele Firmen bieten hier aber auch die Lösung einer sogenannten Vertrauens-Lernzeit an: Mitarbeiter können diese Zeiten als Arbeitszeit deklarieren.
Auch nach dem Training lassen wir den Zugang zu unserer Lernplattform für die Teilnehmer unbefristet bestehen. Wer also während des Trainings unbedingt zwischendurch in ein anderes Meeting gehen muss, hat so die Chance, Lernstoff zumindest punktuell nachzuarbeiten.

Fest steht: Die Zeit von 5-Tages-Seminaren in teuren Tagungshotels sind vorbei.
Aber bevor wir völlig in die „Halbherzigkeit“ abdriften und unsere Lern- und Weiterentwicklungsziele unerreicht bleiben, gilt es eine gesunde Balance aus zeitgemäßen didaktischen Formaten und ausreichendem Fokus der Teilnehmer zu finden.
Als HR Akademie setzen wir deshalb auf moderne kompakte Ausbildungsformate mit einem individuellen Selbstlern-Part.